4. Team: Christian, Philipp + Brandy

Bericht

Lehrgang in Frankreich oder wie wir Brandy bekommen haben

Ende November 2008 fuhren mein Bruder Philipp, meine Mutter, ein Helfer und ich nach Frankreich zu dem Verein Handi´Chien, damit Philipp und ich einen Assistenzhund bekämen. Dort mussten wir gemeinsam mit anderen Rollstuhlfahrern einen zweiwöchigen Lehrgang absolvieren, in dem vormittags die französischen Befehle und theoretischen Dinge gelernt wurden, wie Krankheiten des Hundes, Dominanzverhalten, Körperteile, Geschichte des Hundes, Pflege etc.. Zum Glück stand uns eine Hundeexpertin aus Luxemburg bei und übersetzte für uns. Nachmittags wurde mit den Hunden geübt, dass heißt an den ersten drei Tagen bekam jeder nacheinander verschiedene Hunde zugeteilt, mit denen er üben sollte. Nun absolvierten wir einen Parcours: Zum Beispiel führte ich einen Hund zu einem engen Durchgang, wo er vorgehen, dann eine halbe Drehung machen und zuletzt rückwärts vor dem Rolli hergehen musste. Als nächstes sollte der Hund dann auf ein Tischchen steigen, sich hinsetzen, die Pfote geben, sich hinlegen und wieder heruntersteigen.

Jeden Tag wurde zudem ein Test über das am Vortag Gelernte geschrieben. Am dritten Tag musste jeder eine Wunschliste mit vier Hunden schreiben, je nachdem, mit welchem man am besten arbeiten konnte. Dann entschieden die Trainer, und danach fand die Übergabe statt. Nun bekam jeder seinen Hund. Philipps und mein großer Wunsch erfüllte sich: Wir bekamen Brandy, einen zwei Jahre alten Golden Retriever, der uns von allen Hunden am besten gefallen hatte. Bei der Übergabe wurde mir Brandy mit den Vorderpfoten über meinen Schoß gelegt, und bei dieser Gelegenheit hat er mir das ganze Gesicht abgeleckt. Alle waren bei der Übergabe sehr gerührt, die Trainer haben beim Abschied von ihren Hunden sogar geweint.

An den nächsten Tagen wurden vormittags weiter Befehle und Theorie geübt, nachmittags trainierte dann jeder mit seinem eigenen Hund. Brandy musste natürlich alles zweimal machen, einmal mit Philipp, einmal mit mir. In der zweiten Woche standen dann auch Ausflüge auf dem Programm. Wir gingen in Supermärkte, wo Brandy zum Beispiel mein Geld der Kassiererin gab und die Tasche mit dem Einkauf mit dem Maul entgegennahm.
Ich übte auch, den Hund irgendwo abzulegen, wo er liegen bleiben musste, bis ich den Befehl aufhob. Es wurden noch viele andere Dinge geübt, schließlich kennen die Hunde 54 Befehle.

Am letzten Tag des Lehrgangs musste jeder eine Abschlussprüfung ablegen, die aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil bestand. Meine war die Beste!!! Am nächsten Tag fuhren wir mit Brandy nach Hause.

Inzwischen sind wir ein richtig eingespieltes Team, und Brandy ist ein guter Helfer und Freund für´s Leben geworden.

Christian Saalbach


Ein Tag mit meinem Hund Brandy

Wenn ich aufgestanden bin und gefrühstückt habe, füttere ich Brandy. Es ist wichtig, dass ich vor Brandy esse, weil er dann weiß, dass ich einen höheren Rang im „Rudel“ habe als er. Beim Füttern gebe ich Brandy den Befehl, eine Schublade zu öffnen, dort ist nämlich das Futter. Mama oder Papa wiegen dafür immer 175 g Trockenfutter für morgens und abends ab und packen sie in Plastiktüten. Dadurch brauche ich beim Füttern selbst keine Hilfe. Bevor Brandy nun sein Futter bekommt, stelle ich den vollen Napf auf einen Hocker, aber er frisst erst, wenn ich es ihm erlaube. Manchmal lasse ich ihn vorher zur Übung noch bellen. Anschließend bringt er mir den leeren Napf wieder. Auch die Schublade macht er auf einen Befehl von mir wieder zu.  

Um 7.30 Uhr werden mein Bruder und ich von unseren Zivis abgeholt. Durch die Laher Wiesen gehen wir dann zur Schule. Auf dem Schulweg geht Brandy mit meinem Bruder, und während des Unterrichts bleibt Brandy bei mir. Wenn Brandy im Dienst ist, trägt er ein Cape. Deshalb hat er es auch in der Schule an. Wenn er das Cape trägt, soll er nicht gestreichelt werden, das weiß Brandy auch. Während des Unterrichts liegt Brandy meist neben meinem Rolli. Manchmal steht er auch auf und geht durch die Klasse. Dann rufe ich ihn, und er soll schnell zurückkommen. Es ist für mich nicht so leicht, streng genug zu sein, deshalb hört er manchmal nicht so gut. Das muss ich noch üben! Wer zuerst Schulschluss hat, nimmt Brandy mit nach Hause. Am schönsten ist es, wenn wir gleichzeitig Schluss haben. Auf dem Heimweg darf unser Hund ein bisschen frei laufen, und manchmal springt er auch in den Laher Graben. Nach dem anstrengenden Schultag ist es gut für ihn, sich wie ein ganz normaler Hund zu benehmen. Zu Hause schläft er meistens erst mal.

Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, ist Brandy in der Nähe. Wenn etwas herunterfällt, hebt er es für uns auf, oder er macht das Licht an oder öffnet eine Tür. Wir können ihn auch an die Haustür schicken, dann macht er sie für uns auf. Er kann zum Beispiel auch helfen, Handschuhe oder Socken auszuziehen. Das war am Anfang aber eine kleine Mutprobe. Nachmittags begleitet Brandy uns auch, egal ob wir zum Chor, zum Schachtraining oder zum Rollisport gehen. In der Sporthalle ist es ziemlich aufregend für ihn, deshalb lassen wir ihn
 manchmal auch zu Hause. Dort passt er dann auf, dass der kleine Hund von unserer Schwester keinen Quatsch macht. Er ist auch schon in der Marktkirche und in der Markuskirche in Konzerten und Gottesdiensten mitgewesen. Auch an Christians Konfirmation hat er teilgenommen.
 
Zwischendurch schmuse ich gern mit Brandy. Ich lasse ihn seinen Kopf auf meinen Schoß legen, und manchmal lasse ich ihn sogar mit den Vorderpfoten auf meinen Schoß steigen, dann kann ich ihn noch besser kraulen. Manchmal rufe ich ihn auch zu mir ins Bett, das ist dann sehr kuschelig. Leider darf er nicht in meinem Bett übernachten, denn das würde unsere Rangordnung durcheinanderbringen.
 
Es ist wirklich schön, dass wir Brandy haben, und ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es mal ohne ihn war!

Ich habe meine Schwester Amelie gefragt, wie es für sie war, als wir mit Brandy nach Hause kamen:

„Da meine Brüder und Mama so lange weg waren, war die Freude über Brandy umso größer. Doch das Nicht-Anfassen und Nicht-Spielen fiel mir sehr schwer. Und das, wo ich Hunde so liebe! Zum Glück habe ich jetzt einen eigenen kleinen Hund. Dem bringe ich die französischen Befehle bei!“

Philipp Saalbach


Danke!

Mittlerweile ist Brandy ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden. Ich lasse die Kinder viel sorgloser als früher allein, seit ich weiß, dass im Notfall  durch den Hund die Haustür geöffnet werden kann, Dinge ohne gefährliche Kunststücke aufgehoben werden können und vieles mehr. Deshalb möchte ich an dieser Stelle noch einmal allen danken, die dazu beigetragen haben, dass unser größter Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Das ist zunächst natürlich der Verein Apporte, wo mit großem Einsatz die nötigen Spendengelder gesammelt  und der Kontakt nach Frankreich hergestellt wurde. Auch die Schulgemeinschaft hat sich durch fleißiges Sammeln von Plastikdeckeln beteiligt. Was haben die Franzosen gestaunt, als wir diese Deckel aus dem Auto geladen haben! Und zuletzt möchte ich auch den Lehrern meiner Söhne und ganz besonders Frau Petermeyer danken, die mit Brandys Schulbesuch einverstanden sind und diesen weiteren „Schüler“ in ihren Unterrichtsstunden akzeptieren.


Wiebke Saalbach

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