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Solinger Tageblatt 15.5.06
Wenn der Hund Helfer im Alltag wird
Eindrucksvolle Vorführung zum Sommerfest an der
Förderschule Leichlingen.
Leichlingen (VoJ) Buntes Treiben herrschte am Samstag allenthalben zum Sommerfest in den Gängen und Räumen der Leichlinger Förderschule für körperbehinderte Menschen an der Neukirchener Straße. Die Schulband "Lazy Beat Bones" heizte ein, der Mitmachzirkus verzauberte, Musik- und Tanzwerkstatt zeigten ihre Stücke, im Lebendkicker oder der Hüpfburg war Austoben angesagt, überall lockten köstliche Stärkungen und in der nah gelegenen Reithalle Balker Aue ließ sich sogar das Glück auf dem Rücken der Pferde erleben. In all diesem Trubel bot ein Raum fast schon so etwas wie eine Oase der Ruhe. Denn dort hatte der Verein "Apporte" zu drei Vorführungen von Assistenzhunden für Menschen im Rollstuhl eingeladen. "Wir haben unseren Verein im Oktober gegründet, um auf diese Hunde aufmerksam zu machen. Denn in Deutschland wird bisher wenig in diese Richtung getan", erklärt Claudia Bodmann. Ihr Labrador Telemaque hört deshalb genauso wie Retriever Vitou und Labrador Radis auf einen französischen Namen, denn von dort kommen diese Hunde. Die Vereinsvorsitzende aus Hannover ist selbst auf den Rollstuhl angewiesen. "Leider erkennen unsere Krankenkassen zwar Blindenhunde, aber nicht solche Assistenzhunde an", bedauert Bodmann. Dabei können die Hunde für Rollstuhlfahrer sogar lebensrettend sein, wie Telemaque eindrucksvoll demonstriert. Nach einem simulierten Sturz aus dem Rollstuhl reicht ihm ein kleines Handzeichen seines Frauchens, und er hört erst auf zu bellen, als Hilfe eintrifft. "Eine Situation, wie ich sie selbst schon erlebt habe", berichtet Klaus Reineke. Der Bochumer fiel in seiner Garage beim Aussteigen aus dem Auto so unglücklich zwischen Rollstuhl und Auto, dass er sich nicht mehr befreien konnte. Sein Hund Radis setzte sich in die Toreinfahrt und bellte die Nachbarn herbei. "Sonst hätte ich dort acht Stunden ausharren müssen." Seit drei Jahren sind die beiden ein Team. "Radis hat bis heute mehr als 60 verschiedene Befehle gelernt", berichtet Reineke. Ausgebildet werden die Tiere von ehrenamtlichen Helfern wie Dennis und Nelly Nash aus Luxemburg, die mit dem französischen Verein zusammenarbeiten. "Den Hund nach 18 Monaten intensiven Trainings herzugeben ist schwer. Meine Frau hat zwei Wochen geweint", sagt Dennis Nash. Doch sie wüssten ja, wofür sie es tun. Ohne die ehrenamtliche Arbeit dieser Leute wäre die Ausbildung der Hunde noch weit teurer als die bis zu 16 000 Euro, die ein Tier heute wert ist. Tel. (0 50 31) 70 68 16, www.apporte-assistenzhunde.de.
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